Auf ihrem Landesparteitag am 16. Dezember 2017 wählten die Delegierten Sven Schrade zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden der Thüringer SPD. Er erhielt 90,4 Prozent Zustimmung.

Die Nachwahl wurde notwendig, weil sich der Erfurter Bundestagsabgeordnete Carsten Schneider nach seiner Wahl zum Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion aus dem Vorstand zurückgezogen hat.

Sven Schrade wurde 1984 in Leipzig geboren, erlangte sein Diplom als Politik- und Verwaltungswissenschaftler an der Uni Leipzig und ist derzeit Bürgermeister seiner Heimatstadt Schmölln im Altenburger Land.


In seinem Bewerbungsschreiben umreißt er die Schwerpunkte seiner künftigen Arbeit:

Warum stelle ich mich zur Wahl als stellvertretender Vorsitzender der SPD Thüringen?

Die SPD Thüringen ist in schwierigem Fahrwasser. Als bedeutsamer Bestandteil eines rot-rot-grünen Bündnisses muss sie sich behaupten, entschlossen inhaltliche Akzente setzen und in knapp zwei Jahren zur Landtagswahl mit einem kompakten Paket an Themen, die sozialdemokratische Handschrift tragen, Aufbruchstimmung im eigenen Verband erzeugen und erfolgreich sein.

Ich möchte dazu gern meinen Beitrag leisten und gemeinsam im Landesvorstand und mit den Gliederungen an neuen inhaltlichen Impulsen arbeiten und diese auch umsetzen.

Was sollten wir unter anderem angehen?

Bildungspolitik – demografiefest und wohnortnah. Aus eigener kommunalpolitischer Arbeit weiß ich, dass unsere Kitas und Schulen wichtiger Bestandteil der Lebensqualität unserer Kommunen sind. Auch künftig muss es uns gelingen, durch innovative Ideen wie Schulverbünde bzw. Schulsprengel ein wohnortnahes Bildungsangebot aufrecht zu erhalten. Abgesehen von guter Qualität in der Bildung wird die Standortfrage der Einrichtungen eine entscheidende für Familien und junge Eltern sein, ob auch der ländliche Raum ein ausreichend attraktives Wohn- und Lebensangebot bieten kann. Gerade Bildungspolitik liegt uns als Sozialdemokrat*innen am Herzen, denn sie ermöglicht soziale Teilhabe und Aufstieg.

Demografischer Wandel – Chancen einer älter werdenden Gesellschaft nutzen und Spielräume für die Jugend erhalten. Die Bevölkerung Thüringens wird älter und schrumpft. Diesen Wandel müssen wir gestalten. Weniger Einwohner*innen erfordern die Straffung kommunaler Gebietsstrukturen und der Landes- und Kommunalverwaltung. Auch wenn diese Wahlperiode dafür nicht mehr genügend Zeit lässt. Wollen wir zukunftsfähige Strukturen schaffen, Effizienzen und Synergien (bspw. auch durch die Digitalisierung der Verwaltung) heben, sollte auch für die Zukunft eine umfängliche Verwaltungs- und Gebietsreform unser Ziel sein – auch wenn dies kein Wahlkampf-Kassenschlager ist. Demografischer Wandel heißt jedoch auch, das Land attraktiv zu halten und fitter zu machen, damit auch Jugendliche und junge Menschen ihre Perspektive hier sehen:

  • Moderne Stadtkerne – flächendeckendes WLAN-Angebot
  • Ausreichend getaktetes ÖPNV-Angebot zwischen Zentren und Umland
  • Erhalt und nötigenfalls Ausbau der Angebote in der Jugendsozialarbeit

Arbeit und Wirtschaft im digitalen Wandel – unsere Antwort für Arbeitnehmer*innen

Strukturen und Beteiligungsmöglichkeiten in der SPD Thüringen auf den Prüfstand stellen und gemeinsam weiterentwickeln:

  • Einführung von Mitgliederentscheiden und Einrichtung regelmäßiger thematisch ausgerichteter Basiskonferenzen zur Stärkung der innerparteilichen Mitbestimmung
  • Etablierung einer Generalsekretärin/ eines Generalsekretärs zur Profilschärfung

Die SPD als Programmpartei wird sich nicht nur ausschließlich über Köpfe, Personen und Charaktere definieren können. Sie muss auch im ihre Wähler*innen durch ein inhaltliches Angebot überzeugen können. Das ist unser Anspruch – und bis zur Landtagswahl auch unsere Hausaufgabe: gemeinsam unsere sozialdemokratischen Kernforderungen erarbeiten, dabei die gesamte Partei mitnehmen und schließlich zur Wahl und darüber hinaus bestehen.