Es ist ein verregneter Sonntag, wir stehen am Anger in Erfurt und treffen dort Sultana. Sie ist 17 Jahre alt, kam 2012 nach Deutschland und steht kurz vor Abschluss ihres Abiturs. Ein paar Tage zuvor standen wir schon mal gemeinsam mit ihr hier. Wir als Teilnehmende, Sultana als Rednerin der Solidaritätsdemo für Afghanistan.

In einem Café in der Nähe erzählt uns Sultana, was sie bewegt. Wut und Trauer zerreißen sie. Sie hat Angst. Vor allem weil für die Frauen so viel auf dem Spiel steht. Sie erzählt von Familien, die sich in der Kanalisation verstecken, von Ärztinnen die Menschenleben gerettet haben und nun um ihr eigenes Leben fürchten. Und von Müttern die ihre Neugeborene an Soldat:innen geben, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Sultana will Verständnis für die Lage der Menschen schaffen. Dafür bemüht sie Bilder, die erschüttern. Trotz alledem hat sie weiterhin Hoffnung. Vor allem Frauen gehen auf die Straße, verteidigen die Freiheit und leisten Widerstand. In Afghanistan gibt es eine neue Generation, die Chancen auf Bildung und Selbstbestimmung hatte – vor allem Frauen haben sie genutzt. Das macht Hoffnung, dass der Kampf um die Heimat nicht verloren ist. Wir dürfen nicht wegschauen. Sultana appelliert, dass unser Land helfen muss, die zu schützen, die jetzt um ihr Leben fürchten. Auch sie sagt 2015 dürfe sich nicht wiederholen: Es braucht sichere Fluchtwege, Aufnahmeprogramme und Bleiberecht. Das Sterben auf der Flucht muss aufhören.

Wie ihre Zukunft aussehen wird, das weiß sie noch nicht. Doch klar ist für sie: Sie möchte für eine bessere, gerechtere Welt kämpfen und verändern. Eines Tages will sie die Möglichkeit haben nach Afghanistan zurückzukehren, um: „den Menschen auf irgendeine Art und Weise ein Lächeln auf ihre Gesichter zu zaubern und ein wenig Freude in ihre Herzen bringen zu können.“ Ein bescheidener Wunsch einer starken jungen Frau.